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Herr der Töne - Katrin Langhans

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Amadeus Bodis ist einer von 40 Geräuschemachern in
Deutschland. Er erschafft Töne im Film für die es keine Konserve gibt. Manchmal nicht einmal in der Natur.

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Am Anfang ist da nur ein Käfer, der über die Leinwand kriecht.

Der klingt nicht.

„Oder haben Sie schon mal einen Käfer gehört?“, fragt Amadeus Bodis, der seit 20 Jahren als Geräuschemacher arbeitet. Bodis versucht sich vorzustellen, wie sich die Gelenke des Käfers anhören, wie der faserige Chitinpanzer knackt.

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„Nur zehn Prozent von dem, was wir in einem Film hören ist
original. Der Rest ist komponiert“, sagt Bodis. Die Dinge sollen präziser klingen als in der Wirklichkeit. Der Originalton ist oft zu leise, zu dumpf, zu hohl. Oder er passt nicht synchron auf das Bild.

Die Lösung kommt meist aus der Konserve. Aber manche
Geräusche gibt es nicht im Archiv. Eine Spinne, die läuft, ein Käfer, der kriecht. Um das zu vertonen braucht die Kinoindustrie Männer wie Amadeus Bodis. Männer mit Phantasie. Geräuschphilosophen.

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Amadeus Bodis sammelt. Sein Studio ist vollgestopft mit Müll,
Schrott und Kram vom Flohmarkt. Die alten Dinge liegen in Koffern, die neuen in Regalen oder verstreut auf dem Boden.

Postkarten, Gläser, Glocken, Schuhe, Papier und altes Kassettenband. Bei den meisten Dingen weiß Bodis genau wie es klingt, wenn er sie schüttelt, zerknittert, aneinander reibt. Manchmal entsteht so der Klang von rauschendem Laub, bruzelnden Spiegeleinern oder
Knochenbrechen.

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Bodis sucht ihn, den perfekten präzisen Klang. Er suchte ihn
schon als er in einem Tonstudio jobbte und dort zum ersten Mal einem Geräuschemacher begegnete. Kollegen, die mit irgendeiner Zeitung eine Zeitung vertonen, versteht er nicht.

„Eine Zeitung ist nicht einfach eine Zeitung“, sagt Bodis. Ist sie frisch oder feucht, klingt sie echt. Ist sie alt, knistert sie wie Backpapier. Die Welt sei leiser geworden. Schuhe haben Gummisohlen, Fahrräder klappern nicht mehr so schön. Dafür hört er jetzt den Windzug, wenn ein Rad an ihm vorbei braust. „Alles Physik“, sagt Bodis. Auch der Käfer. Bloß, wie vertont man den?


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Ein altes Staubsaugerrohr und etwas Draht, mehr braucht Bodis nicht, um den Käfer zu vertonen. Alles nur Physik. Fast wie der Geräuschemacher selbst: Ein klangvolles Leben ohne Worte.

Sagen sie's mit Tönen, Herr Bodis!

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Ein Beitrag von

Katrin Langhans

www.zehnreporter.de

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